wie dieser fulminante titel vermuten lässt, möchte ich an dieser stelle ein wahres kleinod der literatur, genauer der isländischen literatur, und um die konzentrischen kreise zur Gänze zu schließen: Engel des Universums von Einar Mar Gudmundsson vorstellen. Ein kitschig abschreckender Titel, hinter welchem sich jedoch ein wahrlich raffiniert, verdreht-verqueeres Buch verbirgt, das einen ganz schön durch den Wind bringen kann...
Durch den Wind ist wohl auch der richtige einstieg, es geht um Pall, oder palli, ganz wie man will, welcher eine recht ansehnliche Zeit in der Isländischen Irrenanstalt Kleppur verbringt.
Nun könnte man erwarten, das eine psychoanalyse in die seele des geistig kranken pall erfolgt (die geschichte ist nebenbei autobiographisch, die Figur des pall an des autors bruder angelehnt), aber viel besser, der Roman, aus der ich-perspektive von pall selbst erzählt,nachdem er tot ist und ganz anständig von einem ehemaligem freund begraben wurde, zeigt in diversen ausschnitten sein leben und seinen wahnsinn, doch auch den Wahnsinn der "normalen" Welt, welcher auch außerhalb der MAuern von kleppur seinen festen platz hat. Die Verrückten sitzen eben nicht nur in anstalten und sind reinkarnationen von Hitler , Van Gogh etc pp, sondern führen scheinbar glückliche leben, sind Selbstmörderische Zahnärzte, die isländische Sagenzyklen auswendig rezitieren können, sind völlig überforderte, schamerfüllte Angehörige, Säufer oder spritzengeile Psychater. Der Wahn trägt manchmal viele Masken, nicht jede schreit nach Psychopharmaka.
Besonders interessant ist der Stil, krude Poesi, vermischt mit mit einer assoziativen Bildersprache, deren Bedeutung sich nciht immer erschließen kann und wahrscheinlich auch gar nicht will. Stetiger Wechsel zwischen gegenwart, besser der gegenwart seines wahnsinns, und blenden in seine kindheit, betrachtungen des lebens seiner freunde, gedankenspiele und dergleichen wechseln scheinbar willkürlich... trotzdem ist sein lebensweg relativ einfach nachvollziehbar, ergo fand ichs persönlich nicht allzuverwirrend, zumal das buch angenehm kurz gefasst ist mit 196 seiten.
Fazit: ideale lektüre für trübe regnerische, selbstvergessene stunden...
"ich war ein wahnsinniges Pferd im Auge der Ewigkeit. Später lag ich da und schaute zum Himmel"
Posted by Zissa at 10.01.07 20:01