16.09.05

blutbrunnen

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DER BLUTBRUNNEN

Mir ist, als ob ein Blutstrom mir entweicht,
der gleich dem Springquell rhythmisch seufzt und steigt.
Vergeblich such ich, in der Furcht zu sterben,
den Finger in die Wunde einzukerben.

Von hohen Häuserdämmen eingedeicht,
strömt es, bis Markt und Stadt dem Meere gleicht,
den Durst der Kreaturen zu verderben
und alles rings mit reinem Rot zu färben.

Wohl hab ich mich dem Wein, dem Rausch geweiht:
„Scheuch diesen Schreck! Er will mich niederwerfen!“ -
Doch Wein vermag das Schauen nur zu schärfen!

Zur Liebe schrie ich: ,,Schlaf! Vergessenheit!“ -
Doch die war jener Jungfrau gleich aus Eisen:
gemacht, die Grausamkeit mit Blut zu speisen!

Charles Baudelaire aus
les fleurs du mal

Posted by Zissa at 16.09.05 19:14 | TrackBack
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